Buchrezension zu “Leise Menschen – starke Wirkung” von Dr. Sylvia Loehken

Sylvia Loehken gibt ihren Mitmenschen in ihrem Buch eine “Lizenz zum Leise sein” und gewährt tiefe Einblicke in das Leben, Erleben und Kommunikationsverhalten introvertierter Menschen  – und das gelingt ihr ausgesprochen gut – soviel schon einmal vorweg!

 

Leise Menschen – starke Wirkung

Zunächst versucht die Autorin eine Abgrenzung der Begriffe Introversion zu Extroversion.

Da diese beiden Ausprägungen eher auf einem Kontinuum zu betrachten sind (kaum einer ist ja nur extro- oder introvertiert) lädt die Autorin die Leser mittels verschiedener Einschätzungswerkzeuge dazu ein, selbst zu beurteilen an welchem Ende der imaginierten Skala sie sich sehen.

Einen dieser Tests kann man sogar online machen und zwar hier:
Dieser Part ist wirklich gut gelungen. Der Leser wird nach den diversen Tests und Fragen tatsächlich sagen können, ob er eher intro- oder eher extrovertiert ist, falls er es nicht schon vorher wusste.

Denn die Kenntniss über diese beiden Grundausrichtungen ist sicherlich schon gut im Mainstream etabliert.

Was diese Ausrichtungen aber nun genau bedeuten bzw. welche Stärken eher introvertiert ausgerichtete Menschen mitbringen, ist vielen sicher nicht so bekannt.
Sylivia Loehken beleuchtet sowohl die Stärken als auch die Hindernisse introvertierter Menschen sehr ausführlich.
Einige dieser Stärken sind z.B. Vorsicht, Substanz, Konzentration, Zuhören, Ruhe, analytisches Denken, Beharrlichkeit und Einfühlungsvermögen.

Die benannten Stärken und Hindernisse ziehen sich dann auch wie ein roter Faden durch das Buch und geben dem Ganzen eine gute und übersichtliche Struktur.

Typische Kommunikations- und Alltagssituationen werden von der Autorin praxisnah beleuchtet.
Der Introvertierte erhält Tipps und Hinweise wie er/sie seine Stärken einsetzen bzw. seine Hindernisse (wie etwas Kontaktvermeidung, Kleinteiligkeit oder Konfliktischeu) umgehen kann.
Allerdings bietet Frau Loehken keine ganz genaue Ausrichtung auf der Skala an, man weiß es dann halt so ungefähr.
Ich bin z.B. nach diesen Tests ein extrovertierter Mensch mit introvertierten Anteilen.
Den Rückzugsbedarf vieler Introvertierter kann ich etwa auch als “Extro” nachvollziehen.
Sehr stark ist das Buch an den Stellen, an denen die Autorin mit Übungen zur Selbstreflexion einlädt.
Der Leser hat anhand der Beschreibungen typischer Stärken und Hürden die Möglichkeit sich für schwierige Situationen zu präparieren. Und das macht das Buch zu einer guten Selbstcoaching Möglichkeit für leise Zeitgenossen.
Angenommen ein leiser Mensch hat z.B. häufiger mit der Hürde “Überstimulation” zu tun, dann kann er sich fragen, wo ihm diese Hürde begegnet (z.B. auf Partys), welches Bedürfnis diese Hürde aufzeigt (Ruhe, Stille, Sicherheit) und wie er damit in der jeweiligen Situation umgehen kann. (z.B. ein Gespräch mit einem bestimmten Menschen verabreden und das auch noch in einer ruhigen Ecke)
Wer das für sich konsequent macht, kann einen hohen Nutzen aus dem Buch ziehen und eigenen Stärken mehr in Szene setzen.
Immerhin werden fast alle wesentlichen Kommunikationsmöglichkeiten in dem Buch aus introvertierter Sicht beschrieben. So finden sich Tipps zum Netzwerken, für Vorträge, Meetings und Verhandlungen und sogar für Partnersuche.
Zwar sind viele Hinweise eher allgemeiner Natur, so würde ich nicht nur intro- sondern auch extrovertierten Menschen empfehlen in ihren Wortbeiträgen “auf den Punkt zu kommen” und stark zu intonieren.
Genauso sind z.B. Tipps zur Partnersuche im Internet nicht sehr “introspezifiisch” , wie z.B.  “nur Computer mit Firewall oder Antiviren-Programm benutzen”  oder  “treffen sie sich nur an gut einsehbaren, öffentlichen Orten”, sondern sicher für jeden hilfreich.
Andere Hinweise wie die “Reisetipps” für Intros sind da schon spezifischer und werden wohl auch durch Erfahrungen der introvertierten Autorin gefüttert.
Ab und an streut die Autorin auch eigene Erlebnisse ein, z.B. wenn es um Erziehungsfragen oder Arbeit in Gremien geht. Diese Abschnitte sind besonders schön und lockern den Ratgeber auf.
Insgesamt ist das Buch eine sehr hilfreiche Lektüre gerade für junge Introvertierte, die sich besser kennen lernen möchten. Sie können mit Hilfe des Buches sicher leichter zu sich und ihren Stärken stehen lernen.
Aber auch für erfahrene Intros und Extros, die ihre introvertierten Mitmenschen besser kennen lernen wollen, ist das Buch eine wirklich gute Lektüre!

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