Bewusstseinserweiterung – Besser entscheiden in Trance

Vor einiger Zeit erhielt ich einen Anruf. Der Geschäftsführer einer Firma, für die ich schon mehrfach als Coach tätig war, richtete sich mit folgendem Auftrag an mich:

“Wir haben da eine sehr gute Führungskraft. Der Mann hat viel Potenzial und wir mögen ihn. Wir überlegen, ob wir ihm eine teure Weiterbildung finanzieren, damit er sein Potenzial noch mehr entfalten kann. Gleichzeitig haben wir den Eindruck, dass er im Moment nicht mit voller Kraft dabei ist. Wir möchten ihm gerne ein Coaching zu seiner Unterstützung spendieren, auch um zu sehen, ob die Entscheidung für die Weiterbildung richtig ist.”

Damit der Klient sich sicher fühlen kann, vereinbare ich mit dem Auftraggeber und dem Klienten, dass die Inhalte der Sitzung komplett zwischen mir und dem Mitarbeiter bleiben und der Mitarbeiter dem Auftraggeber über seine Fortschritte nach seinem Ermessen berichtet. Auf diese Weise bleiben die Inhalte der Sitzungen geschützt und der Auftraggeber bekommt häufig auch was er will: einen zufriedenen und leistungsbereiten Mitarbeiter, der an sich arbeitet.
In diesem Fall kam der Mitarbeiter in meine Praxis. Er war sehr offen für ein Coaching. Schon in den ersten Minuten wurde das Problem deutlich. Der Mann war engagiert, sehr freundlich und entwicklungsbereit. Er mochte die Firma, seine Kollegen und Chefs. Auch die Aufgaben waren anspruchsvoll und interessant. Allerdings sah er keinen richtigen Sinn darin, für Kunden zu arbeiten, die „nichts weiter wollten als ihre Produkte verkaufen.“ Er aber wollte etwas tun, was wirklich Sinn für ihn machte. Etwas, was auch Veränderungen in der Welt bewirkt (übrigens ist es mein Eindruck, dass in der Generation 30+ diese Wünsche immer prägnanter zum Ausdruck kommen).
Sein Traum war es für NGO´s (Non-Governmental Organization) Kampagnen zu entwerfen oder vielleicht auch mal eine Auszeit in Südamerika zu nehmen. Andere Stimmen in ihm (es sind ja immer mehrere Teilpersönlichkeiten im Spiel) wollten weiter in der Firma bleiben, schon wegen der Sicherheit, des Entwicklungspotentials und auch weil dort einfach eine nette Arbeitsatmosphäre herrschte.
Mit Teilpersönlichkeiten meine ich folgendes:
Wenn Sie heute beschließen, morgen früh um 6 Uhr aufzustehen und joggen zu gehen, kann es sein, dass nicht die Teilpersönlichkeit aufwacht, die das beschlossen hat. Stattdessen wird eine Teilpersönlichkeit geweckt, die lieber noch eine halbe Stunde im Bett liegen bleibt.In Coachings geht es häufig darum, innere Stimmen zu unterscheiden und miteinander in einen Dialog zu bringen.
Ich fragte ihn, ob er bereit wäre sich diese ganze Situation in einem veränderten Bewusstseinszustand – genannt Trance – anschauen wolle, denn das könne unter Umständen viel Klarheit in die Situation bringen. Er war sofort einverstanden.
Was ist eigentlich Trance?
Trance ist ein Zustand, den jeder auf die eine oder andere Weise kennt. Wer einmal auf einer längeren Zugfahrt das Zeitgefühl verloren hat, die Gedanken hat schweifen lassen und das monotone Rattern der Zugräder unter sich vergessen hat, kennt diesen Zustand in gewisser Weise.
Bei sehr monotonen Tätigkeiten tritt der Zustand auch häufig ein, aber auch zum Beispiel bei langem Tanzen (in Discos auch angeregt durch die sich wiederholenden Lichtblitzeffekte), Laufen, rhythmischem Trommeln, Singen oder bei intensivem Sex. Meist haben Trancezustände im Alltag mit der Wiederholung von Reizen zu tun. Wenn Sie zum Beispiel eine laute Maschine hören und sie nach eine Weile nicht mehr wahrnehmen, kann das schon eine leichte Trance sein.
Trance wird und wurde in vielen Kulturen dazu verwendet, um in einem erweiterten Bewusstseinszustand Lösungen zu finden oder Heilung zu erfahren. In einer leichten bis mittleren Trance wird der Körper tief entspannt, das äußere Wahrnehmungsvermögen herabgesetzt, der Körper partiell empfindungslos und das Bewusstsein manchmal als „schwebend“ empfunden.
Trance ist gleichzeitig eine Fokussierung der Aufmerksamkeit auf das innere Erleben, aufsteigende Bilder, Szenerien und damit verknüpfte Gefühle und Empfindungen. Während das Bewusstsein bei der nächtlichen Autofahrt oder in monotonen Tätigkeiten eher verschwindet oder absorbiert wird, bleibt eine Aufmerksamkeit in der Trance, die in Coachings erzeugt wird, erhalten. Das ist auch ausdrücklich erwünscht, denn nur die Erinnerung an die komplette Sitzung führt dazu, dass die Integration der Erkenntnisse oder neuen Verhaltensweisen in den Alltag funktioniert.

Was mich an Trance begeistert
Meine ersten Begegnungen mit Trancezuständen im therapeutischen Rahmen hatte ich mit Anfang 20. Ich „reiste“ in die Zukunft zu einem Ziel, das ich erreichen wollte. Aus der Zukunft betrachtet war es ganz leicht, dem „Jetzt-Ich“ zu erklären, was es zu tun hatte, um das Ziel zu erreichen. Das Zukunfts-Ich musste sich ja nur noch erinnern, wie es das Ziel erreicht hatte und es dem „Jetzt-Ich“ sagen. Faszinierend war für mich wie einfach es anschließend war, die Hinweise umzusetzen.
Besonders schön ist es zu sehen, wie sehr die spezielle Intelligenz des Unbewussten darauf bedacht ist, positive Lösungen zu finden. Der geniale Hypnotherapeut Milton Erickson sagte dazu: „Dein Unbewusstes ist klüger als Du selbst!“
Manchmal kommen die erstaunlichsten Hinweise aus den Tiefen des Bewusstseins. Eine Klientin hatte zum Beispiel ein Darmproblem. Ein innerer Heiler, der ihr in der Trance begegnete empfahl ihr einen Tee aus Eichenrinde zuzubereiten, der wie sich herausstellte – genau zu ihrem Befund passte. Die Klientin hatte aber überhaupt keine Ahnung von Kräuterkunde. Wo kam das Wissen her? Ein Rätsel!

Das beeindruckende an der Arbeit mit Trance für mich ist, dass es ganz leicht ist zum Beispiel in die Vergangenheit zu reisen, alte Muster, Glaubenssätze und Konflikte zu verändern, sich komplexe Ziele in der Zukunft auszumalen und sich vom Unbewussten die Wege dazu aufzeigen zu lassen. Was ich aber vor allem an dieser Methode schätze, ist, dass das Erleben immer das eigene ist.
Es sind die eigenen Bilder, Erkenntnisse, Sätze. Ich selbst mochte Ratschläge oder Belehrungen nie. Ich wollte immer selbst erleben und erkennen. In Trance geht das, denn alles ist garantiert selbst erlebt. Die Bilder und Szenen, die die Klienten in Trance erleben sind häufig sehr klar und emotional aufgeladen. Man kann seine innere Wahrheit zu einem bestimmten Thema sehen. Das Erleben kann so eindrücklich sein, dass manchmal eine Sitzung ausreicht, um Entscheidungen eine Richtung zu geben oder eine ganz neues, tieferes Verständnis zu bekommen.

Warum ist Trance im Coaching eine gute Methode?
Viele Führungskräfte, die zu mir ins Coaching kommen, sind gestresst und wollen schnelle, aber auch ganzheitliche Lösungen für ihre Fragen erarbeiten. Die Arbeit in veränderten Bewusstseinszuständen ist dafür ideal, weil sie mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt:

Eine Sitzung in Trance bringt häufig:

  • Entspannung, weil der veränderte Bewusstseinszustand als angenehm, leicht und schwebend erlebt wird
  • Oftmals überraschende Erkenntnisse, weil tiefere Bewusstseinschichten zum Vorschein kommen und Aspekte beleuchtet werden, die im normalen Wachbewusstsein nicht so gesehen werden
  • Ganzheitliche Ergebnisse, weil es in Trance ganz leicht fällt unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und andere Menschen (Teammitglieder, Vorgesetzte, Partner, Ehegatten) und ihre Positionen zu verstehen
  • Integration und Versöhnung, weil in Trance exzellent „abgespaltene“ Persönlichkeitsanteile gehört und integriert werden können.

Wie funktioniert Trance?
Die Trance wird meistens durch eine Tiefenentspannung eingeleitet. Tranceeinleitungen sind eine spezielle Form der Kommunikation. Es findet eine Entschleunigung statt, die schon durch die verlangsamte und tiefere, monotonisierte Stimmführung gekennzeichnet ist. Bestimmte Sprachelemente führen zu einer Verwirrung des bewussten Verstandes, damit dieser sich vertrauensvoll in eine Ruhephase begeben kann.
HIER EINIGE TYPISCHE BEISPIELE FÜR TRANCESPRACHE:

  • Durch Vergleiche kann das Erleben intensiver gemacht werden:
  • Gut, besser, mehr, leichter, stärker, intensiver, weniger, öfter…Während Sie hier sitzen und sich die Erlaubnis geben können, mehr und mehr zu entspannen, bemerken Sie vielleicht, wie ihr Atem immer tiefer wird.
  • Während Sie diesen Text lesen, können Sie sich jetzt leichter und wohler fühlen und es fällt Ihnen vielleicht auf, dass Sie mit jedem Wort, das Sie lesen mehr und mehr entspannen können.
  • Syntaktisch korrekte Sätze, die allerdings unlogisch verknüpft sind, bewirken ein Abgleiten des Verstandes:
  • Jedes Wort, das Sie jetzt lesen, bewirkt, dass Sie mehr und mehr über Hypnose lernen und sich immer sicherer damit fühlen.Während sich Ihr bewusster Verstand noch fragt, wo die Reise hingehen wird, kennt Ihr Unbewusstes schon die Lösungen und Sie können sich überraschen lassen wie und in welcher Weise das Unbewusste Ihnen die Lösungen zeigen wird.
  • Schon während Sie das hier lesen, können Sie einiges über hypnotische Sprachmuster im Alltag lernen und es wird ihnen leicht und immer leichter fallen diese ganz selbstverständlich im Alltag zu erkennen und anzuwenden.
  • Dabei ist es nicht wichtig, dass Sie verstehen wie dies geschieht, während Sie gleichzeitig wahrnehmen und darauf vertrauen, dass Ihr Unbewusstes Ihnen diese neuen Möglichkeiten ganz selbstverständlich zeigen wird.

Wer über die Sprachmuster noch mehr wissen möchte, kann das etwa hier nachlesen. Meistens schicke ich die Klienten nach der Tranceinduktion auf eine „innere Reise“ in eine innere Landschaft, in der es Wege, Wälder, Gärten, Wasser, Treppen, Tunnel, Konferenzräume gibt. Auf dieser Reise können sie inneren Ratgebern begegnen, Konflikte klären und lösen, kreative Prozesse einleiten, Entscheidungen treffen; Lösungsansätze ausprobieren oder Heilungsprozesse anregen und beschleunigen. Forscher konnten übrigens eine schnellere Heilung von Knochenbrüchen oder Wunden unter Anwendung von Hypnose belegen.

Ich erkenne den Trancezustand nach der Induktion an diesen Zeichen:

  • entspanntes Gesichtverändertes Atemmuster ( tiefer als sonst)
  • Lidflattern (R.E.M. – rapid eye movements)
  • MuskelzuckenVeränderte Stimme (weicher, verlangsamt)
  • Ich selbst gehe übrigens – wie so viele Hypnotherapeuten – in gewisser Weise mit in Trance, auch weil ich dann einen leichteren Zugang zu meiner Intuition und meiner eigenen kreativen Intelligenz in solchen Prozessen habe.

Doch zurück zu meinem Klienten: Ich schickte ihn in dieser Sitzung in eine innere Landschaft. In dieser Landschaft befand sich ein Weg. Dieser Weg gabelte sich nach einer Weile in vier Wege, die ich vorher mit ihm abgesprochen hatte.

Der Klient sollte dabei jeweils auf einem Pfad in die Zukunft gehen und schauen, wie es ihm dabei ging. Welche Gefühle er hatte, wie sich die Farben und Stimmungen gestalteten, welche Hindernisse auftraten und welche Fähigkeiten und Ressourcen für den jeweiligen Weg da waren. Am Ende sollte er sich in einen Ballon setzen und die Wege von oben betrachten und vergleichen (Metaposition).


Er probierte alle im Schema dargestellten Wege aus und achtete dabei auf seine inneren Reaktionen. Ohne jetzt zu sehr in die Details zu gehen, wurde eines deutlich: Immer wenn er sich vorstellte, mit ganzer Kraft und vollem Engagement in der Firma zu bleiben (Weg 1), fühlte es sich für ihn an, als würde er durch zähesten Honig kriechen. Es war ihm unmöglich die Vorstellung (nur die Vorstellung!) zu halten. Diese Erkenntnis war so deutlich, dass es im ganzen Raum spürbar wurde. Und auch aus der Vogelperspektive wurde für ihn klar, dass dies der unattraktivste Weg war.
Diese Sitzung hinterließ bei ihm einen so nachhaltigen Eindruck, dass er zwei Wochen später kündigte. In zwei weiteren Sitzungen ging es darum, die Entscheidung zu überprüfen und Details seines weiteren Weges zu planen. Mein Klient war danach freiberuflich für verschiedene Firmen und NGO´s tätig. Die Firma hat damals nicht nur das Geld für die Weiterbildung gespart. Der Geschäftsführung und meinem Klienten blieb auch ein möglicherweise langwieriger und konfliktreicher Ablösungsprozess erspart. Der Mitarbeiter ging erhobenen Hauptes und blieb ihnen seither als freiberuflicher Mitarbeiter und Freund erhalten. Heute – drei Jahre später – ist er immer noch froh über die Entscheidung, die er in dieser einen Sitzung getroffen hat.
Trance kann Entscheidungsprozesse beschleunigen, viele unbewusste Anteile bewusst machen, Wünsche deutlich machen, Lebensaufgaben zeigen, Beziehungen und Konflikte klären, Potentiale und Fähigkeiten erschließen und vieles mehr. Richtig verstehen kann man Trance aber nicht. Man muss es erleben!
Ich selbst war vor einiger Zeit mit der Frage beschäftigt, was eigentlich meine Aufgabe ist. In Trance bekam ich folgende Antwort: „Jeder Mensch geht einen Weg. Deine Aufgabe ist es, Ihnen zu helfen, die Steine aus dem Weg zu räumen.“

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