“Authentisch Führen heißt Wertschätzung und Präsenz auf allen Ebenen des Unternehmens” – ein Interview mit Klaus Pankau, Personalleiter der WISAG

Mein Beitrag zur Blogparade „Nachhaltigkeit in der Führung“ initiiert von Gudrun Happich http://leistungstraeger-blog.de/2012/05/02/blogparade-und-e-book-nachhaltigkeit-in-der-fuehrung/

 

„Übrigens“, sagte Klaus Pankau , Leiter der Personalbteilung  der WISAG (in der Sparte Gebäudereinigung) als er mich 2009 für eine Reihe von Trainings  im Rahmen einer Ausbildung für Kundenbetreuer engagierte „wir machen die Trainings dann zusammen! Es wird immer jemand von der WISAG dabei sein. Entweder ich selbst oder eine meiner Kolleginnen!“

„Na so was,” platzte es aus mir heraus, „das ist aber ungewöhnlich!“

Tatsächlich hatte ich es in meiner fast 20-jährigen freiberuflichen Tätigkeit als Trainerin noch nicht erlebt, dass Trainings von einem Personalleiter direkt und systematisch begleitet wurden.

Eher kannte ich stichprobenartige Besuche, die zum Ziel hatten,  die Tauglichkeit der Trainer zu beurteilen. Falls überhaupt!

Aber Trainings zusammen mit dem Personalleiter? Ein Novum!

Ich muss zugeben, dass ich zunächst auch etwas skeptisch war. Denn die Trainingsteilnehmer konnten sich durch diesen Umstand schließlich auch sehr eingeschränkt oder beobachtet fühlen.

Aber – Sie vermuten es sicher schon – diese Zusammenarbeit erwies sich (und erweist sich immer noch) in der Praxis als ungewöhnlich erfolgreich!

Würde ich sonst darüber berichten? Wohl eher nicht!

 

Deshalb also der Reihe nach:

Die WISAG ist unter anderem auch in der Reinigungsbranche tätig, man findet ihre bunten Wagen auf vielen deutschen Flughäfen und sie sind auch in vielen Stadtbildern vertreten.

Diese spezielle Branche hat es mit besonderen Schwierigkeiten zu tun: Niedrige Margen (es wird überall mit sehr spitzem Bleistift gerechnet), niedrige Löhne, viel Konkurrenz, viele Quereinsteiger und Menschen aus unterschiedlichen Kulturen.

Nach einem unserer gemeinsamen Trainings Ende Mai in Frankfurt für die Kundenbetreuer habe ich Klaus Pankau zum Thema Nachhaltigkeit in der Führung befragt:

Birgit Permantier:

„Herr Pankau, in der WISAG werden Personaltrainings systematisch und konsequent von der Personalabteilung, also von Ihnen selbst und Ihren Kollegen begleitet.
Das ist für einen Personalleiter, der so wie Sie für etwa 15 000 Mitarbeiter zuständig ist, doch recht ungewöhnlich. Wieso nehmen Sie sich die Zeit dafür?“

Klaus Pankau:

“Einen wichtigen Grund finden Sie vielleicht in einem Teil meiner Biografie. In meiner Zeit als Landesvorsitzender der IG BAU (Gewerkschaft Bauen, Agrar und Umwelt) habe ich zu viele, talentierte Menschen gesehen, die in ihren Unternehmen keine Chancen bekamen sich zu entwickeln.

Eine Ursache dafür ist ein  bekanntes Phänomen, das in Unternehmen immer wieder auftritt: Gute Mitarbeiter werden von ihren Führungskräften nicht unbedingt gefördert, weil jene zum einen befürchten, von ihren Mitarbeitern überholt zu werden oder weil sie andererseits ihre besten Kräfte nicht verlieren wollen.

Das führt dazu, dass gute Leute häufig „versteckt“ werden.

In dieser Zeit wurde mir klar, dass es in Unternehmen Programme geben muss, die Wege an diesen Mechanismen vorbei eröffnen.  Nur so kann es Chancengleichheit geben und eine Unternehmen seine schlummernden Talente entdecken und  nutzen.. Deshalb führen wir auch im Anschluss an die Seminare mit jedem Mitarbeiter  Einzelgespräche,  in denen wir  für die internen Weiterbildungsprogramme motivieren.”

B.P.: “Es geht Ihnen also in erster Linie um Chancengleichheit. Gleichzeitig stehen Sie in den Trainings ja auch Rede und Antwort zu allen fachlichen Fragen. Welche anderen Gründe gibt es denn noch für diesen konsequenten Doppeleinsatz in den Seminaren?”

K. P.: “Wir wollen neben den externen Dozenten  immer jemanden dabei haben, der alle fachlichen und administrativen Fragen beantworten kann.
Die WISAG ist ein Dienstleistungsunternehmen. Unsere Dienstleistungen enthalten immer auch  face-to-face-Interaktionen mit unseren Kunden oder auch deren Kunden..
Ob Dienstleistungen als positiv empfunden werden oder nicht, hängt zum einen von der Qualität der menschlichen Begegnung ab. Daher ist der kommunikative Aspekt in den Qualifizierungen sehr wichtig. Aber auch fachliches, arbeitsrechtliches und administratives Wissen sind bei unseren Mitarbeitern und Führungskräften wichtig, wenn  eine Dienstleistung als exzellent empfunden wird.

Deshalb müssen, aus meiner Sicht, all diese Aspekte in den Seminaren integriert werden.

Außerdem wollen und müssen wir  als Führungskräfte Präsenz zeigen. Authentische Führung muss auf allen Ebenen eines Unternehmens  gelebt werden.
Nur so kann echte Wertschätzung für die Mitarbeiter vermittelt werden.

Ich halte  nichts davon, wenn sich Personalabteilungen hinter scheinbar objektiven  Auswahl- und Testverfahren und anonymen Trainingsprogrammen verschanzen.

B.P: Das kann ich bestätigen. Die Teilnehmer erleben – entgegen meiner anfänglichen Bedenken – tatsächlich die Präsenz der Führungsebene in den Seminaren als eine Form der Wertschätzung. „Da kommt jemand und interessiert sich für unsere Probleme“, scheint der Gedanke dahinter zu sein. Als Trainerin höre ich in anderen Unternehmen ja häufig das Gegenteil. Da kommen dann häufig Aussagen wie: „Unsere Führungsebene sollte dieses Seminar aber auch mal machen“ oder schlimmer noch „Unsere oberste Führungsebene interessiert sich doch gar nicht für uns!“

Dennoch unterscheidet sich dieser Ansatz ja erheblich von den Ansätzen anderer Unternehmen, die solche Maßnahmen häufig komplett in die Hände externer Trainer legen. Sie scheinen also insgesamt ein anderes Konzept zum Thema Personalführung zu vertreten.

K.P.:

Richtig! In vielen Unternehmen werden Trainings fast ausschließlich externen Trainern überlassen. Die Personalabteilungen haben dadurch häufig nur wenig oder auch gar keinen unmittelbaren Kontakt zu ihren Mitarbeitern. Es wird mit aufwendigen  Befragungstools und e-learning  gearbeitet und  die Personalarbeit wird dadurch zunehmend entfremdet.
Das kann zu problematischen, irrealen  Entscheidungen führen.
Personalarbeit ist Arbeit mit Menschen, nicht „über“ Menschen.
Ich mache das also auch, um meine Sensoren ins Geschehen zu halten. Ich will wissen wie es unseren Mitarbeitern geht, was ihre Schwierigkeiten sind und mit Ihnen über Lösungen sprechen und ansprechbar und sowie korrigierbar bleiben.

Ich möchte durch meine direkte Beteiligung demonstrieren, dass wir flache Hierarchien und echte Wertschätzung leben und auf dieses Weise meine Begeisterung für das Unternehmen zum Ausdruck bringen. Das erfolgt durchaus nicht unkritisch und affirmativ, sondern in kritischem 360 Grad Dialog.  Ich möchte sie anstecken und mitreißen.

Echte Begeisterung können nur  Menschen vermitteln. Das schafft, wie wir wissen,  keine Leitbildbroschüre!

B.P:
„Herr Pankau, das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Wie hält es die WISAG mit der Nachhaltigkeit im Bereich Mitarbeiterführung und – entwicklung?“

K.P.:
„ Nachhaltigkeit ist tatsächlich ein Thema, mit dem wir uns auf vielen Ebenen beschäftigen. Es liegt mir auch persönlich sehr am Herzen. Sie wissen vielleicht nicht, dasss ich einige Jahre im deutschen Vorstand des Forest Stewartship Council, war, einem der weltweit größten und in meinen Augen noch heute glaubwürdigsten Zertifizierungssysteme für nachhaltige Forstwirtschaft. Die WISAG will im Thema Nachhaltigkeit Vorbild für die Branche sein. Wir nehmen das Thema sehr ernst und sehen darin nicht eine Marketinghype, wie so viele heute.
In der WISAG arbeiten wir  an wirtschaftlicher,  sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit. Mit Hilfe des EFQM- Models (European Foundation for Quality Management) werden diese Konzepte durch ständige Verbesserungen und Bewertungen kontrolliert, und zwar in allen drei Dimensionen.

Außerdem versuchen wir seit einiger Zeit mit Hilfe des Fraunhofer Instituts IAO in einem Forschungsprojekt namens „Pride“ das Image der Arbeit in der Reinigungsbranche aufzuwerten.

Klaus Pankau bei einem Vortrag im Fraunhofer Institut IAO

 

Wer mehr zum “Pride”-Projekt der Fraunhofer Instituts lesen möchte, findet unter diesem Link weitere Informationen:
http://www.pride-online.de/?tag=fraunhofer-iao

Ein Vorarbeiter in der Reinigungsbranche braucht heute beispielsweise viel breitere Qualifikationen als mancher Mechatroniker in der Automobilindustrie.
Er ist technisch, fachlich und kommunikativ sehr vielfältig gefordert.

B.P: “Eine Besonderheit in der WISAG ist das konsequente Fortbildungsprogramm, das von der Reinigungskraft bis zu obersten Führungsetage alle Mitarbeiter einschließt.
Welche Gedanken stehen dahinter?”

K.P: “Üblicherweise beginnen Personalentwicklungsprozesse auf der obersten Führungsebene. Man könnte auch sagen „Gleich und gleich entwickelt sich gern“.
Statt eines Top-Down-Programms, das bei den Führungskräften anfängt, haben wir in unserem Unternehmen ein Bottom-Up-Programm an den Start gebracht.

Wir wollen alle erreichen!

Dazu haben wir etwa 300 Mitarbeiter (Freiwillige aus allen Ebenen unseres Unternehmens) als Trainer für unser „Top-Fit-Qualifizierungsprogramm“ ausgebildet. Unsere internen Befragungen zeigen uns heute, dass diese Top-Fit-Trainer unsere zufriedensten Mitarbeiter sind. Mit anderen Worten:
Wir sind da auf dem richtigen Weg!
Damit möchten wir unsere Mitarbeiter auch an unser Unternehmen binden. Unser Ziel ist es, dass im Jahr 2020 80% der Führungskräfte aus unseren eigenen Reihen kommen.
Auch das ist nur möglich, wenn wir unsere Mitarbeiter konsequent weiter qualifizieren.”

B.P.:  “Sie selbst sind ja nicht nur Personalleiter, sondern auch Geschäftsführer eines Unternehmens der WISAG. Wie würden Sie denn ihren eigenen Führungsstil bezeichnen, Herr Pankau?”

K.P.:  “Ich pflege einen partnerschaftlichen und coachenden Führungsstil. Ich versuche mit meinem ganzen Team  die Potentiale unserer Mitarbeiter im Dialog zu entdecken!”

B.P.: “Vielen Dank für das Gespräch!”

 

Hier finden Sie das gesamte E-book zum Thema “Nachhaltig Führen” als kostenlosen Download.

e-book-fuehrungnachhaltig-PHASE-02

 

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